von links Prof. Jacques Picard, Dr. Daniel Gerson und Prof. Andreas Wagner  (Foto Christoph Knoch)

Im Anschluss an der Hauptversammlung der CJA-Bern vom 21. April 2015 fand die dritte Preisverleihung des CJA-Bern Preises statt. Thema des jährlich zu vergebenden Preises ist: „Begegnung und Dialog zwischen Christentum und Judentum“.

Der Gewinner der Ausschreibung 2015 ist

Dr. Daniel Gerson

für seine wissenschaftliche und gesellschaftspolitische Arbeit zur Dokumentation der Lebenszeugnisse Holocaustüberlebender in der Schweiz

Zur Rede von Dr. Daniel Gerson am Anlass

Daniel Gerson, Dr. phil., geb. 1963 in Zürich, Studium der Geschichte und der Germanistik in Basel, Paris und Berlin; Promotion bei Prof. Dr. Wolfgang Benz, Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin; wissenschaftlicher Mitarbeiter am Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich und am Zentrum für jüdische Studien der Universität Basel; seit 2011 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Judaistik der Universität Bern; Schweizer Delegierter in der Academic Working Group der International Holocaust Remembrance Alliance; Forschungsschwerpunkte: Schweizerisch-jüdische Geschichte der Neuzeit, deutschsprachiges Judentum nach dem Holocaust und moderner Antisemitismus.

Siehe auch in JGB Forum März 2015:

In "FORUM" - Gespräch mit dem Historiker und Judaisten Dr. Daniel Gerson

 

Preisarbeit

Als Sohn eines Holocaustüberlebenden war Daniel Gerson seit seiner Kindheit die Bedeutung des nationalsozialistischen Völkermords an den Juden als ein Zivilisationsbruch bewusst. Diese biographische Prägung entfachte auch sein Forschungsinteresse als Historiker. Bis in die 1990iger Jahre existierten jedoch nur wenige Institutionen, wie beispielsweise die Christlich-Jüdischen Arbeitsgemeinschaften, die sich einer Diskussion zu den Ursachen und Auswirkungen des Genozids stellten. Seit rund 20 Jahren bestehen aber Initiativen von lokaler bis internationaler Reichweite, die den Holocaust erforschen und ihr Wissen weiter vermitteln. In diesem Kontext war es Daniel Gerson möglich, sich wissenschaftlich und gesellschaftspolitisch zu engagieren. So organisierte er am Holocaustgedenktag Zeitzeugenbegegnungen. Auch durch die Mitarbeit an der Edition von autobiographischen Erinnerungsschriften, die von der Kontaktstelle der Holocaustüberlebenden mit Unterstützung des Bundesrats publiziert wurde, konnte er die Lebenszeugnisse Holocaustüberlebender in der Schweiz für die Nachwelt festhalten.

Jüngste Publikationen:

Privates und öffentliches Erinnern: Die Kontaktstelle und die Memoiren von Holocaustüberlebenden in der Schweiz, in Daniel Gerson u.Ivan Lefkovits: Geschichten und Gesichter von Überlebenden des Holocaust. Abschlussband, Memoiren von Holocaust Überlebenden, Basel 2014, S. 112-123. (deutsch, englisch und französisch)

Öffnung und Anerkennung seit den 1980er Jahren, in: René Bloch u. Jacques Picard (Hrsg.): Wie über Wolken. Jüdische Lebens- und Denkwelten in Stadt und Region Bern, 1200-2000, Zürich 2014, S. 461-487.

Nach 1948 – Traditionen und Erneuerungen, in: René Bloch u. Jacques Picard (Hrsg.): Wie über Wolken. Jüdische Lebens- und Denkwelten in Stadt und Region Bern, 1200- 2000, Zürich 2014, S. 419-456.

Pluralisierungen und Polarisierungen: Jüdische Reformbewegungen in der Schweiz 1950 - 2010, in: Jacques Picard u. Daniel Gerson (Hrsg.): Schweizer Judentum im Wandel. Religion und Gemeinschaft zwischen Integration, Selbstbehauptung und Abgrenzung, Zürich 2014, S.99-157.